Theater macht Freu(n)de

Mit bunten Perücken und eindrucksvoller musikalischer Begleitung war der Glanz des Abends perfekt:
Unter dem Titel „Und keine Mauer kann die Liebe hindern“ fand vom 09. bis 18. Oktober ein Jugendtheaterprojekt statt. In diesen zehn Tagen fanden sich 24 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 26 aus Deutschland und Russland (Murmansk) zusammen. Unter professioneller Anleitung eines internationalen Teams von Theaterpädagoginnen probten sie an ihren Rollen und erarbeiteten ehrgeizig verschiedene Szenen aus bekannten Theaterstücken.

In zwei interkulturelle Gruppen geteilt, wurden mehrere Szene aus Shakespeares „Romeo und Julia“, Tschechows „Der Bär“ sowie aus „Ein Sommernachtstraum“ einstudiert. Das war natürlich nicht immer leicht. Neben vielen Sprachproblemen zeigte sich auch die unterschiedlichen Arbeitsweisen der deutschen und russischen Theaterpädagoginnen. So manch deutscher Teilnehmer kam schnell ins Schwitzen, als er in kürzester Zeit drei Seiten Text auswendig lernen musste. Für die russischen Teilnehmer natürlich kein Problem. Doch neben all der Arbeit stand auch der Spaß im Mittelpunkt des Projektes.


So besuchten alle, um einmal richtigen Profis zuzusehen, das Theaterstück „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ von Edward Albee. Obwohl in deutscher Sprache aufgeführt, gefiel es auch den Jugendlichen aus Murmansk ausgezeichnet.

Als dann der große Abend der Premiere näher kam, konnte man die Angespanntheit und das Lampenfieber bei allen deutlich spüren. Als es dann endlich soweit war und der Vorhang aufging, war der Stress der letzten Tage jedoch sofort vergessen und die Schauspieler waren voll in ihrem Element. Im Stück verschmolzen die Protagonisten zu einer Einheit und wie weggeblasen waren die Sprachprobleme. Dann war es völlig egal, dass Julia auf deutsch schmachtete und Romeo auf russisch säuselte. Jeder verstand jeden.

Auch wenn es ein harter Weg war, konnte sich das Ergebnis sehen lassen. Bemerkenswert und eine schöne Anerkennung für alle Teilnehmenden war der übervolle Zuschauerraum. Neben Eltern, Freunden und geladenen Gästen, fanden auch viele Hallenser den Weg ins Thalia-Theater und spendeten am Ende minutenlangen Beifall.
Als der Tag des Abschieds kam, flossen viele Tränen, denn aus unbekannten Menschen sind schließlich echte Freunde geworden. Glücklicherweise findet im Frühjahr 2010 bereits die Rückbegegnung statt. Dann werden deutsche Jugendliche nach Russland reisen und ein neues Projekt beginnen. Das wird die Gelegenheit sich wieder zu sehen.


Wir bedanken uns bei der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch – Eine Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Freien und Hansestadt Hamburg, der Bosch Stiftung und des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft.

Jenny Babatz (Teilnehmerin)

Diesen Artikel finden Sie auch im Pfeil vom Bundesverband der djo, 01/10