Finanzkrise schmilzt Schnee und Eis


Jugendbegegnung in Petrosawodsk vom 8. bis 17. Februar 2009:
Idyllisch liegt die Stadt Petrosawodsk, die Hauptstadt Kareliens, am Ufer des zugefrorenen Onega-Sees. Ganz anders als im Acht Stunden entfernten Sankt Petersburg geht es hier ruhig und beschaulich zu. Jedoch, einmal im Jahr wird es laut, bunt und international. Hyperborea – Das Eisskulpturenfestival lockt regelmäßig Künstler und Touristen aus Russland und den angrenzenden Ländern an.

Auch wir wollten es uns in diesem Jahr nicht entgehen lassen. Zehn junge Menschen aus Sachsen-Anhalt, Thüringen und Berlin planten gemeinsam mit ihren Partnern vom Deutsch-Russischen Begegnungszentrum der Stadt den Preis für die schönste Eisskulptur mit nach Hause zu bringen. Doch die Enttäuschung war groß, als es plötzlich hieß: „Kein Schnee in Petrosawodsk! Das Festival fällt aus.“ Was nun? Die Entscheidung fiel nicht schwer – wir fahren trotzdem. Am 8. Februar ging es dann auch los. Ein kurzer Zwischenstopp in Sankt Petersburg, dann eine kurze Nachtfahrt mit der russischen Eisenbahn und schon standen wir verschlafen, erschöpft und froh, endlich angekommen zu sein, auf dem Bahnhof in Petrosawodsk. Die Unterbringung erfolgte in Gastfamilien. Allein oder zu zweit wurden wir auf die Familien unserer Partner verteilt. Einige von uns fuhren das erste Mal nach Russland. Für sie war es besonders spannend, solch einen direkten Einblick in das Alltagsleben zu erhalten. Als Alternative zum Festival hatten sich unsere Freunde in Petrosawodsk einfallen lassen, den Schwerpunkt unserer Begegnung auf die Sprache zu legen. uns Deutschen kam das sehr gelegen. Die meisten konnten bereits ein paar Worte russisch, während der Rest großes Interesse zeigte, ein paar Grundlagen der Sprache zu erlernen.


Auch auf russischer Seite war das Interesse an der deutschen Sprache sehr groß. Optimale Voraussetzungen für sprachanimatorische Spiele, mit denen wir jeden Tag einleiteten. Als besonderes Highlight hatten wir uns im Vorfeld überlegt, unsere Begegnung zu dokumentieren und anschließend in einer Radiosendung zu präsentieren. Dazu liehen wir uns vom freien Radio Corax in Halle ein Aufnahmegerät und interviewten, bewaffnet mit einem Mikrofon, alles und jeden. uns ging es vor allem darum, einen Querschnitt des Lebens in Karelien zu zeigen.
Besonders die Gedanken, Sorgen und Wünsche junger Leute interessierten uns dabei. Am Ende wird es einen Radiobeitrag geben, der im Raum Halle ausgestrahlt wird. Den Rest der Zeit verbrachten wir gemeinsam mit einem Besuch in der Universität und einer Gesprächsrunde mit Germanistikstudenten, wir versuchten uns im Volkssport Nummer 1 in Karelien, dem Skifahren und beschworen die Naturgeister der Ureinwohner im Norden Russlands. Eins verwunderte uns deutsche Teilnehmer jedoch die ganze Zeit – so weit das Auge reichte: Schnee und Eis. Das Geheimnis war schnell gelüftet. Bei einer Gesprächsrunde im Rathaus mit Vertretern der Stadt, die uns über Ausbildung, Wirtschaftsentwicklung und Tourismus informierten, kam schnell heraus, dass Hyperborea angesichts der finanziellen Schwierigkeiten in diesem Jahr abgesagt wurde. Für uns jedoch war das Festival längst vergessen. Schnell haben sich neue Freundschaften geschlossen. unser Programm war spannend und abwechslungsreich und erlaubte uns viele Einblicke in Kultur, Geschichte und Leben der Region.


Eine Rückbegegnung im August 2009 ist auch schon in Planung. Die letzten zwei Tage verbrachten wir in Sankt Petersburg und wandelten auf den Spuren Peters des Großen. Mit einem Besuch im Deutsch-Russischen Begegnungszentrum in der Petrikirche beendeten wir unsere Fahrt und freuen uns bereits sehr auf das wiedersehen im Sommer. Wir bedanken uns bei der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch – Eine Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Freien und Hansestadt Hamburg, der Bosch Stiftung und des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft für ihre Unterstützung.

Florin Schmidt