Winter und Märchen in Murmansk


Nachdem der djo- Landesverband Sachsen- Anhalt Ende letzten Jahres seine Arbeit aufgenommen hat, stand nun unser erstes großes gemeinsames Projekt vor der Tür – der deutsch-russische Fachkräfteaustausch in Murmansk. Wir, das sind die Bildungsreferentin Susann Steinert und der gesamte djo-Landesvorstand Ronny Große, Kenny Meyer und Florin Schmidt flogen gemeinsam mit dem Leiter der Thalenser Musikanten des Verbands des künstlerischen Volksschaffens Thale e.V. Guido Behrens, sowie Christiane Brandenburg, der Geschäftsführerin des KieZ Güntersberge und der Dolmetscherin Jana Fokt nach Murmansk, um im Rahmen dieser Fachkräftebegegnung auch aktiv an dem Theaterfestival „GRANI“ teilzunehmen. Gefördert wurde die Maßnahme durch die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch – eine Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Freien und Hansestadt Hamburg, der Robert Bosch Stiftung und des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft.


Die Spannung im Vorfeld steigerte sich von Tag zu Tag, denn für die meisten Teilnehmenden hieß es zum ersten Mal Russland im Winter zu erleben. Neben den allgemeinen Vorbereitungen waren wir auch damit beschäftigt, unser „Gastgeschenk“ vorzubereiten. Die russischen Partner hatten uns nämlich gebeten, doch ein kleines Theaterstück zu dem Festival „GRANI“ beizutragen, denn man war neugierig und wollte wissen, was die Deutschen zu bieten haben. Bedauerlicherweise reisten wir alle aus den verschiedensten Himmelsrichtungen an und trafen uns das erste Mal auf dem Flughafen Berlin.
Nach wahrhaft theatralischen Diskussionen schafften wir es in einigen „geheimen“ Proben, zwischen dem spannenden Besuchen von Jugendeinrichtungen, den gemeinsamen Workshops und Diskussionen mit den russischen Fachkräften doch noch unser „Gastgeschenk“ vorzubereiten. Mit zwei Szenen begeisterten wir das Publikum bei dem Theaterfestival „GRANI“ immerhin so, dass uns die Jury bei der großen Abschlussgala einen Preis für die „originellste und traditionellste Darbietung“ überreichte. So diente der Besuch dieses Festivals nicht nur der Zielsetzung Methoden des Kulturmanagements in der Jugendarbeit kennen zu lernen, sondern sie mit denen in Deutschland zu vergleichen und mit den russischen Fachkräften zu reflektieren. Er wurde zum wahren Erlebnis mit vielen Emotionen. Das Festival selbst bestand aus vielen, zum Teil außerordentlich gut gelungenen Darbietungen. Abwechslung boten außerdem viele Workshops, die zumeist von den Jurymitgliedern, Professoren, Pädagogen und Regisseuren aus Moskau und Sankt Petersburg geleitet wurden und regen Anklang fanden. Unseren beiden Theaterspezialisten Kenny und Ronny gelang es in einem Workshop die schauspielbegeisterten russischen Fachkräften mit viel Pantomime, Improvisationen und mit dem ein oder anderen guten Tipp zum professionellen Theaterspielen zu begeistern.
Neben all den winterlichen und wunderschönen Eindrücken von Stadt, Leuten und Kultur sammelten wir vielfältige Informationen über Programme, Finanzierungen und Gestaltung von Jugendkulturarbeit in Murmansk. Wir sprachen auch mit der Direktorin des Kulturpalastes der Stadt und mit Vertretern verschiedener Kultureinrichtungen und der Verwaltung. Für den Sommer 2008 übernehmen wir nun die Gasgeberrolle. Mit einer Rückbegegnung wollen wir eine langfristige Partnerschaft zwischen unseren Organisationen aufbauen.

Florin Schmidt

Artikel aus dem Pfeil vom Bundesverband der djo, 04/07